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Stoffratgeber - Leinen

Geschichte:
  • Leinen

Die Anfänge von Leinen

Leinen – oder auch Flachs genannt – beschreibt die aus der Flachspflanze gewonnenen Fasern sowie die aus ihnen hergestellten Gewebearten. Die Pflanze zählt zu den ältesten Kulturen der Menschheit. Bereits vor etwa 10.000 Jahren soll Leinen verarbeitet worden sein. Nachgewiesene Funde datieren auf circa 5000 v. Chr. und stammen unter anderem aus Ägypten, Mesopotamien und Phönizien. Damals galt das weiße Gewebe als Symbol für Reinheit, weshalb es auch für Priesterkleidung und Mumienwickel verwendet wurde. Von der Antike Griechenlands und Roms bis hin zum Mittelalter in Europa war Leinen – zusammen mit Wolle – einer der bedeutendsten Rohstoffe für Textilien. Aufgrund seiner schmutzabweisenden Qualität wurde es besonders gern für Unterwäsche sowie Stoffpanzer eingesetzt.

Leinen heute

Im vorindustriellen Europa war Leinen neben Wolle einer der wichtigsten textilen Rohstoffe. Bis ins 19. Jahrhundert zählte es zu den am häufigsten genutzten Fasern. Seine aufwändige Gewinnung und die reine Handarbeit machten es jedoch zunehmend unattraktiv im Vergleich zur Baumwolle, die inzwischen maschinell verarbeitet werden konnte und verstärkt importiert wurde. Regionen wie Irland, das heutige Westfalen, Sachsen oder Schlesien galten als Zentren der Leinenverarbeitung. Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert erlebt Leinen, als pflanzliche Naturfaser, eine Renaissance im Zuge nachhaltigerer Konsumformen. Die aus den Stängeln der Pflanze gewonnene Bastfaser macht es möglich.

Die Struktur

Anders als bei Baumwolle bestehen Leinenfasern aus mehreren Zellulosebestandteilen, die durch Pflanzenleim – sogenannte Pektine – zu stabilen Bündeln von bis zu 90 cm Länge zusammengehalten werden. Diese Bündel müssen vor der Weiterverarbeitung aufgespalten werden. Die Erntezeit liegt zwischen Juli und August, sobald die Pflanzen etwa 80 bis 120 cm gewachsen sind und weiße bis bläuliche Blüten tragen. Mithilfe spezieller Maschinen werden die Pflanzen samt Wurzel entfernt und von Samen befreit (Raufen und Riffeln). Trocknung und anschließende natürliche oder künstliche Verrottung machen es möglich, Pektine zu lösen. Nach mehrmaligem Brechen und Schwingen werden die Holzreste entfernt, sodass die hochwertigen Fasern von ca. 4 cm Länge für die Garnproduktion vorbereitet sind.

Eigenschaften:

Hygienisch und angenehm zu tragen

Da Leinen von Natur aus in Farbschattierungen von Weißlich über Beige bis Grau vorkommt, lässt sich das Gewebe problemlos bleichen oder färben. Die glatte Faserstruktur sorgt dafür, dass kaum Luft gespeichert wird – was das Material fast flusenfrei und zugleich besonders hygienisch macht. Als antistatische Naturfaser ist Leinen kaum anfällig für Schmutz oder Bakterien und eignet sich damit hervorragend für sensitive Anwendungen. Dank seiner bakterienhemmenden Wirkung wird Leinen auch in Schuhfuttern oder medizinischen Textilien eingesetzt, da es Gerüche neutralisiert, Feuchtigkeit speichert und atmungsaktiv bleibt. Bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit nimmt es auf und gibt sie rasch wieder an die Umgebung ab – ein optimaler Klimaausgleich in jeder Jahreszeit.

Je nach Behandlung ein variables Aussehen

Flachs kommt dem Tragekomfort durch seine schnelle Feuchtigkeitsaufnahme entgegen – er nimmt Schweiß rasch auf und fühlt sich dennoch angenehm trocken an. Leinen ist extrem langlebig, besonders reißfest, jedoch nicht elastisch. Dadurch knittert es schneller und ist empfindlich gegen Reibung. Durch Waschen wird Leinen jedoch geschmeidiger und glänzender, sodass es mit der Zeit an Wert gewinnt – häufig sogar mit einem seidenähnlichen Griff. Dank natürlichem Glanz ist kein Stärken nötig. Für die Bezeichnung „Reinleinen“ ist ein Leinenanteil von 100 % erforderlich. Bei Halbleinen bestehen lediglich 40 % des Gewebes aus Leinen, typischerweise im Schussfaden, während die Kette aus Baumwolle besteht.

Pflegetipps:

Vor dem Waschen

Vor dem Waschen empfiehlt es sich, das Leinen gut einweichen zu lassen und die Waschladung nur zur Hälfte zu befüllen. Ideal sind Waschmittel ohne optische Aufheller, wie Feinwaschmittel oder neutrale Seife. Farbiges oder ungebleichtes Leinen sollte bei maximal 40 °C im Schonwaschgang gewaschen werden – am besten auf links. Je nach Pflegehinweis sind in Einzelfällen höhere Temperaturen zulässig. Um Verfärbungen durch Oxidation zu verhindern, ist gründliches Spülen sehr wichtig. Schleudern sollte bei niedrigen Drehzahlen erfolgen; am besten wird Leinen im leicht feuchten Zustand mit dem Dampfbügeleisen geglättet.

Nach dem Waschen

Beim Bügeln entsteht typischerweise ein edler Glanz. Für ein matteres Finish empfiehlt sich das Bügeln auf links. Leinen neigt zum Knittern, da es wenig elastisch ist. Vermeide daher das Waschen in gefaltetem Zustand oder zu starkes Trocknen im Wäschetrockner. Zum Schutz im Koffer hilft Seidenpapier. Vor dem Trocknen sollte man Leinenprodukte durch leichtes Ziehen in Form bringen und zum Lufttrocknen aufhängen – am besten schattig und nicht in die pralle Sonne. Wenn Trockner erlaubt ist, nur bei niedriger Temperatur und geringer Füllmenge. Für empfindliche Stücke empfehlen sich Stoffbeutel, z. B. Kissenbezüge, zum Schutz während der Maschinenwäsche.

Fazit:

Positives überwiegt

Leinen punktet in vielen Bereichen dank seiner pflanzlichen Herkunft, seiner Funktionalität und angenehmen Hautverträglichkeit. Für Allergiker, Personen mit empfindlicher Haut oder bei hohen Temperaturen ist es eine ausgezeichnete Wahl. Leinen kommt in Kleidungsstücken wie Hemden, Hosen oder Sommerjacken ebenso zum Einsatz wie in Heimtextilien, Buchbindearbeiten oder Zeltstoffen. Und diese Liste ist längst nicht abschließend.

Fast grenzenlose Verwendungsmöglichkeiten

Zusätzlich dienen die Stängel der Pflanze als Basis für Produkte wie Tapeten oder Postsäcke. Aus den anfallenden Strohfasern entstehen gepresste Formteile. Die Leinsaat findet Verwendung in Ölgewinnung sowie in der Tierfütterung. Selbst die anfallenden Kurzfasern werden für umweltfreundliche Dämmstoffe genutzt. Damit ist Leinen nahezu vollständig verwertbar – ein echtes Multitalent unter den nachhaltigen Naturfasern.

Pros
  • Klimaregulierende Eigenschaften
  • Kühlend im Sommer, wärmend im Winter
  • Schnelle Feuchtigkeitsaufnahme
  • Sehr atmungsaktiv
  • Sehr hautfreundlich
  • Antiallergen
  • Sehr strapazierfähig, langlebig & reißfest
  • Schmutzabweisend
  • Flusenfrei
  • Bakteriozid
  • Antistatisch
  • Natürlicher Glanz und Stärke
Kontras
  • Knittert schnell
  • Geringe Scheuerfestigkeit

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